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ProPhil_16_02

4 2-2016 Regionalkonferenz fordert Erhalt und Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen der Gymnasiallehrkräfte Am 28. Mai 2016 führte der Philologenverband Sachsen in Sora seine ganztägige Regional- konferenz durch. Ein Schwerpunkt waren dabei Maßnahmen, die zur Verbesserung der Arbeits- bedingungen der Gymnasiallehrkräfte führten: Mit Sorge betrachtet unser Verband, dass es immer schwieriger wird, ausreichend qualifizier- tes Lehrpersonal für die sächsischen Schulen zu bekommen. Noch sind wir Gymnasien in einer relativ komfortablen Situation. Der Lehrermangel, der bereits in den Grund- und Oberschulen deut- lich spürbar ist, bleibt nicht ohne Folgen für das Gymnasium. Wenn zunehmend für den Unterricht auch Personal ohne vollständige Lehrerausbildung eingestellt wird, wird man das bisherige Unter- richtsniveau nur schwer halten können. Gleichzei- tig wächst der Drang, dass man sein Kind auf das Gymnasium schicken möchte, wenn sich immer mehr herumspricht, dass Stellen an der Oberschule nicht mit ausgebildeten Lehrpersonal besetzt wer- den. Nach unserer Meinung hat das vom Kultus- ministerium geforderte Entrümpeln der Lehrpläne nichts mit der Erkenntnis über zu umfangreiche Lehrplaninhalte zu tun, sondern ist dem anstehen- den Lehrermangel in einigen Fächern geschuldet. Die fach- und schulartgerechte Lehrerversorgung wird das Problem der nächsten Jahre. Befürchtungen machen die Runde, dass man an die wenigen Anrechnungstatbestände die Axt le- gen will – hier sind sich alle Lehrergewerkschaf- ten einig, dass wir dies nicht widerspruchslos hinnehmen werden. Statt die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern muss man endlich in der Staats- regierung über echte Attraktivitätserhöhungen nachdenken und nicht nur Augenkosmetik betrei- ben. Wir wollen, so der Tenor auf der Regional- konferenz, die Eltern und natürlich die politischen Entscheidungsträger in den Regionen mit ins Boot holen. Ein weiteres Thema waren die Fortführung und der Ausbau der Zusammenarbeit mit Hochschulen und Universitäten. Die Erfahrungen, die in der Region Chemnitz gemacht wurden, sollen auf die anderen Regionen übertragen werden. Ein Höhepunkt der Zusammenarbeit des Regionalverbandes Chemnitz mit der Universität Chemnitz war das bildungspoli- tische Kolloquium in Einsiedel. Auch wenn der Zustrom der nach Deutschland ge- flüchteten Kinder und Jugendlichen sich deutlich abgeschwächt hat, beginnt die Herausforderung der Integration erst. Diskutiert wurde, welchen Bei- trag das Gymnasium dazu leisten kann und wird. Aktuell ist die Zahl der zu integrierenden Kinder am Gymnasium noch gering. Der Freistaat sollte die personellen und materi- ellen Rahmenbedingungen schaffen, um jedem Kind, das nach Deutschland kommt, innerhalb einer Woche die Teilnahme in den Vorbereitungs- klassen zum Erwerb der deutschen Sprache zu ga- rantieren. Wichtig ist für den Philologenverband, dass neben dem Erwerb der deutschen Sprache die mitteleuropäische Kultur und die sich hieraus ergebenden Wertvorstellungen vermittelt werden. Um den Spracherwerb so optimal wie möglich zu gestalten, sollten gleichzeitig Kurse zum Erwerb der deutschen Sprache zudem der gesamten Fa- milie, also insbesondere auch den Eltern, ange- boten werden. Es muss verhindert werden, dass sprachliche Parallelwelten entstehen. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Vorberei- tungsklassen ist zu überprüfen, welche Schulform für das Kind geeignet ist. So schnell wie möglich sollten die betroffenen Schülerinnen und Schüler in Regelklassen integriert werden. Der Ausbau der Ganztagsschulen muss weiter forciert wer- den. Lehrkräfte sollten im Rahmen ihres Stun- dendeputats Möglichkeit erhalten, im Ganztags- bereich, Angebote durchzuführen. Gerade der Ganztagesbereich ist besonders geeignet, dass sich stabile soziale Kontakte zwischen deutschen und ausländischen Kindern und Jugendlichen entwickeln und somit der Integrationsprozess gefördert wird. Diskutiert wurden ein Katalog von Maßnahmen, der sicherstellt, dass das sächsische Gymnasiums weiterhin garantiert, dass unsere Schüler ihr Studi- um mit Erfolg absolvieren können. Folgende Forderungen sind dazu notwendig um- zusetzen: – Die Unterrichtsversorgung in Qualität und Um- fang muss abgesichert sein. – Es sind familienfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. – Es darf generell kein fachfremder Einsatz erfol- gen. – Die Zahl der Schulsozialarbeiter ist auszubauen. – Die Mentorentätigkeit in der Lehrerausbildung muss besser anerkannt werden. – Alle bisherigen Anrechnungstatbestände und der Ergänzungsbereich sind in vollem Umfang zu erhalten. – Die Verbeamtung unserer jüngeren Kolleginnen und Kollegen muss endlich auf die Tagesord- nung – Lehrkräfte dürfen nur unbefristet eingestellt werden.Ausnahmen sind nur in der kurzfristigen Unterrichtsvertretung zulässig. – Im ersten Jahr nach der Einstellung soll gegen den Willen keine sofortige Abordnung erfolgen. – Die Einstiegsphase der Referendare und Be- rufsanfänger ist stärker zu begleiten. – Für ältere Kolleginnen und Kollegen ist wie im Bund und in den Kommunen die Erfahrungsstu- fe 6 in der Entgelttabelle einzuführen. – Ab dem 60. Lebensjahr ist ein Schutz vor Abord- nung und Versetzung gegen Willen zu schaffen. – Ab dem Halbjahr, in dem die Lehrkraft das 63. Lebensjahr vollendet hat, ist eine weitere Altersermäßigungsstunde zu gewähren. Folgende Maßnahmen tragen zur Entlastung der Lehrkräfte bei: – Neugründung von Gymnasien statt Außenstel- len – Schullaufbahnberatung nicht pauschal für alle, sondern nur bei Bedarf – Schaffung eines Ausgleichs bei der Betreuung von Wettbewerben – die Gewährung angemessener Korrekturzeiträu- me im Abitur zur Einhaltung des Arbeitszeitge- setzes – die Schaffung einer sinnvollen Reihenfolge der schriftlichen Prüfungsfächer entsprechend des Korrekturumfangs – die Entlastung von unnötiger Bürokratie und verbindliche Einführung einer Klassenleiter- bzw.Tutorenstunde – der Ausgleich für die Betreuung von komplexen Leistungen – die verbindliche Einhaltung von Klassenober- grenzen ohne Ausnahmen – die Rückkehr zu einer gesunden Stoff-Zeit-Rela- tion im Hinblick auf den Lehrplan. Diskutieren Sie mit uns über die auf der Regional- konferenz gemachten Vorschläge.Wir sind auf Ihre Meinungen gespannt und werden einige davon hier in dieser Zeitschrift veröffentlichen. Markus Gretzschel 42-2016

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